Biathlon

Dienstag, den 23. Oktober 2007 um 16:58 Uhr
Biathlon (griechisch: Zweifach-Kampf) ist eine vornehmlich im Winter ausgetragene Sportart, die sich als Kombinationssportart aus den Disziplinen Skilanglauf und Schießen zusammensetzt. Die wichtigsten Biathlon-Wettkämpfe werden von der Internationalen Biathlon Union (IBU) veranstaltet. Damit ist Biathlon der einzige Skisport, der nicht von der Fédération Internationale de Ski (FIS) reglementiert wird. Der Biathlon-Sport wurde konsequent und erfolgreich zu einer Sportart weiterentwickelt, die publikumswirksam über das Fernsehen vermarktet werden kann. Seit den späten 1980er Jahren wird beim Biathlon in der Skating-Technik gelaufen. Biathlon ist trotz der Namensähnlichkeit nicht mit Biathle verwandt (Kombinationssportart Laufen-Schwimmen-Laufen).

1 Geschichte

Olga Pylewa auf der Strafrunde; Rennsteig-Arena Oberhof beim Weltcup 2002
“Sandrine Bailly (links) und Kati Wilhelm am Schießstand, Weltcup in Antholz 2006
1.1 Frühe Geschichte

Die Jagd auf Skiern oder ski-ähnlichen Fortbewegungsmitteln lässt sich über 5000 Jahre zurückverfolgen. In Norwegen entdeckte Höhlenzeichnungen beweisen, dass der Mensch schon früh die Jagd auf Skiern als geeignetes Mittel zur Verfolgung von Wildtieren im Schnee einzusetzen wusste. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen dazu finden sich bereits in der chinesischen, griechischen und römischen Geschichte, so beschreibt z. B. der römische Dichter Vergil etwa 40 v. Chr. die Jagd auf Skiern. Die Abbildung eines mit Pfeil und Bogen jagenden Mannes auf Skiern fand sich auch auf einem aus dem Jahr 1050 stammenden Runenstein aus Norwegen.

Die Ursprünge des Biathlonsports liegen aber vor allem im militärischen Bereich. Bereits zu Beginn der Wikingerzeit verteidigten sich die Ureinwohner Nord-Norwegens erfolgreich auf „Skiern“ gegen einfallende Horden dänischer Wikinger. Im Mittelalter waren die schnellen und flexiblen Skiregimenter fester Bestandteil der Armeen in Skandinavien und Russland.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich das Skifahren zum wichtigsten Militärsport in Nordeuropa. Ein guter Skisoldat beherrschte sowohl das Schießen als auch den Langlauf. An der schwedisch-norwegischen Grenze maßen sich bereits im Jahre 1767 Grenzsoldaten der beiden Länder im Wettkampf, bei dem im vollen Skilauf mit dem Gewehr geschossen werden musste. Bis zur Veranstaltung erster organisierter Wettkämpfe im späten 19. Jahrhundert diente die Kombination aus Langlauf und Schießen jedoch ausschließlich der Jagd und militärischen Zwecken.

1.2 Entwicklung zum Militärsport

Der erste Biathlonverein wurde 1861 in Norwegen mit dem Gewehr- und Skiklub von Trysil gegründet. Im deutschen Sprachraum entwickelten sich sowohl der Militärskilauf als auch der allgemeine Skilauf erst Ende des 19. Jahrhunderts. Im Deutschen Reich fanden 1895 erstmals militärische Skilaufmeisterschaften statt. 1912 wurde in Norwegen ein Einzellauf ausgetragen, bei dem zweimal 10 Schüsse abgegeben werden mussten und der damit dem heutigen Einzelbewerb schon sehr nahe kam. Die Veranstaltung dieser Wettkämpfe oblag dem Militär, weshalb die Teilnehmer sich auch ausschließlich aus Armeeangehörigen rekrutierten. Durch die fabrikmäßige Fertigung von Skiern in österreichischen Werkstätten ab 1906 wurde der Sport wesentlich erleichtert und gefördert.

Aus diesen Wettkämpfen entwickelte sich bis 1910 der Militärpatrouillenlauf, der als Vorgänger des heutigen Biathlon angesehen wird. Während im Biathlon von jeher Einzel- und Staffelrennen gelaufen wurden, definierte sich die Militärpatrouille bis 1930 als reiner Mannschaftswettkampf. Eine Militärpatrouille hatte jeweils aus einem Offizier, einem Unteroffizier und zwei Soldaten zu bestehen. Die Streckenlänge betrug zwischen 25 und 30 Kilometer, wobei bei der Hälfte der Distanz eine Schussprüfung im Liegendschießen zu absolvieren war. Für jeden Treffer bekam die Mannschaft, die geschlossen das Ziel erreichen musste, eine Zeitbonifikation von dreißig Sekunden.

Die Hochblüte des Militärpatrouillenlaufes fand in den 1920er- und 1930er-Jahren statt. Bei der Internationalen Woche des Sports von 1924, die vom IOC nachträglich zu den ersten Olympischen Winterspielen erklärt wurde, war der Militärpatrouillenlauf Teil des offiziellen Programms und stand danach noch bei den Olympischen Winterspielen von 1928, 1936 und 1948 als Demonstrationsbewerb auf dem Programm. Zwischen 1930 und 1941 fanden Weltmeisterschaften im Militärpatrouillenlauf statt, bei denen sowohl Titel im Einzel- wie auch im Mannschaftskampf vergeben wurden. Im Rahmen von Heeresmeisterschaften und Militärweltmeisterschaften wird der Patrouillenlauf bis heute durchgeführt.

1.3 Die moderne Geschichte

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Sportart aus verständlichen Gründen entmilitarisiert und auch für Athleten geöffnet, die nicht dem Militär angehörten. Bei den Olympischen Winterspielen 1948 wurde neben dem Militärpatrouillenlauf auch der Winter-Pentathlon (Reiten, Fechten, Schießen, Skilanglauf, Abfahrt) als winterliche Entsprechung des Modernen Fünfkampfs als Demonstrationsbewerb zugelassen. Der am 3. August 1948 gegründete Verband Union Internationale de Pentathlon Moderne (UIPM) zeigte Interesse an der Aufnahme eines Wintersportbewerbs und entschied sich für die Kombination aus Laufen und Schießen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden der UIPM, dem schwedischen General Sven Thofelt, wurde der Name Biathlon eingeführt.

Das IOC erkannte Biathlon 1954 als eigenständige Sportart an. 1955 wurde von der UIPM das Konzept des modernen Winterbiathlons eingeführt. Die Wettkampfregeln wurden am 17. November 1956 in Australien genehmigt und die UIPM wurde offiziell der Verband beider Sportarten. 1957 erfolgt schließlich die formelle Aufnahme in den Internationalen Verband des Modernen Fünfkampfes (UIPM) und 1968 die Umbenennung des Verbandes in UIPMB. Diesem Verband blieb Biathlon bis zur Gründung der Internationalen Biathlon Union (IBU) als unabhängigem Verband innerhalb der UIPMB bis 1993 angeschlossen. Die formale Trennung beider Verbände erfolgte 1998.

1.4 Geschichte des Frauen-Biathlons

Uschi Disl bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin Die Geschichte des Frauen-Biathlons begann wesentlich später als bei den Männern. Die UIPMB verabschiedete erst 1980, auf ihrem Kongress in Sarajevo, die Regeln für Frauenwettkämpfe. Daran anschließend wurde 1981 der erste internationale Frauenwettkampf in der damaligen Tschechoslowakei ausgetragen. 1984 wurden die ersten Frauen-Biathlonweltmeisterschaften organisiert, welche bis 1988 getrennt von jenen der Männer stattfanden. Die Aufnahme ins olympische Programm erfolgte 1992. Trotz des späten Beginns entwickelte sich der Biathlonsport bei den Frauen sehr rasant und ist heute dem der Männer absolut gleichwertig.

Da Männer- und Frauen-Rennen – im Gegensatz zu den vielen anderen Sportarten – immer im selben Zeitraum an den selben Orten stattfinden, gibt es viele persönliche Beziehungen zwischen den Athleten, was schon zu vielen, auch multi-nationalen Hochzeiten geführt hat, z.B. Raphael Poirée (Frankreich) und Liv Grete Skjelbreid (Norwegen) oder Ole Einar Björndalen (Norwegen) und Nathalie Santer (Italien).

2 Verbreitung und Popularität

Der Biathlonsport wird heute in allen klassischen Wintersportländern Europas und Nordamerikas ausgetragen. Vor allem in Skandinavien und Russland gehört Biathlon zu den Top-Sportarten. Seit den 1990er Jahren und speziell nach der Jahrtausendwende erlebt der Sport auch in Deutschland einen starken Aufschwung und gehört mittlerweile zu den populärsten Wintersportarten überhaupt. Sämtliche Weltcupläufe werden im Fernsehen übertragen und finden auch vor Ort vor einem immer größer werdenden Publikum statt. Eine große Tradition hat Biathlon auch in Italien, vorwiegend im deutschsprachigen Südtirol, aus dem viele bekannte Athleten der letzten Jahrzehnte stammen. In Österreich und der Schweiz hingegen spielt die Sportart neben dem Alpinsport nur eine untergeordnete Rolle. Obwohl beide Länder immer wieder Athleten hervorbringen, die auch in der Weltspitze mithalten können, hält sich das Publikumsinteresse in sehr engen Grenzen. Seit der Jahrtausendwende wird der Biathlonsport auch in Asien immer mehr gefördert; vor allem die Volksrepublik China arbeitet erfolgreich daran, ihre Athleten an die internationale Weltspitze heranzuführen, schöpft dabei bislang noch aus einem sehr kleinen Athletenpool von zumeist ehemaligen Skilangläufern. Trotz der aktuell positiven Entwicklung gilt der Wechsel vom Skilanglauf zum Biathlon in vielen Ländern auch heute noch als sportlicher Abstieg.

3 Ausrüstung

3.1 Ski

Zum Biathlon werden normale, nur etwa 1250 g schwere Skatingski mit einer Breite von ca. 5 cm verwendet. Die Länge der Ski ist abhängig von der Körpergröße des Sportlers und nicht limitiert. Der Langlaufschuh wird mittels der Bindung etwa in der Mitte des Skis fixiert, wobei der hintere Teil des Schuhes bei jedem Schritt vom Ski losgelöst werden kann, um einen besseren Vorschub beim Vorwärtslauf zu erhalten. Ebenfalls zur Ausrüstung eines Biathleten gehören schulterhohe Langlaufstöcke, mit denen sich die Sportler vom Boden abstoßen können, und windschlüpfige Rennanzüge.

3.2 Gewehr

Jeremy Teela beim stehend Schießen, 2002 in Salt Lake City Bis 1977 wurde bei Biathlonveranstaltungen mit Großkalibergewehren geschossen. Die Schießentfernungen betrugen dabei 100 m (stehend) bzw. 150, 200 und 250 m (liegend). Seit 1978 werden leichte Kleinkalibergewehre (Geradezugrepetierer), Kaliber .22, verwendet, deren Gewicht zwischen 3,5 und 6 kg liegt und die nur manuell zu repetieren sind. Automatische oder halbautomatische Gewehre dürfen nicht verwendet werden. Das Abzugsgewicht muss mindestens 500 g betragen. Die Schießentfernung beträgt einheitlich für das Stehend- und Liegendschießen 50 m.

Die Visiereinrichtung besteht aus einem Diopter, das jedoch keine vergrößernde Wirkung besitzen darf, und dem Ringkorn am vorderen Ende des Rohres. Das Korn ist auswechselbar, damit bei schlechter Sicht ein so genanntes Nebelkorn eingesetzt werden kann. Dieses hat eine größere Öffnung, damit mehr Licht einfallen kann und die Sicht verbessert wird. Die Waffe ist samt Munition vom Sportler während des gesamten Wettkampfes am eigenen Körper mitzuführen.

3.3 Munition

Die Munition hat ein Kaliber von 5,6 mm und das Geschoss darf eine Mündungsgeschwindigkeit von 380 m/s nicht überschreiten. Meist wird in Kältekammern getestet, um ein Versagen oder eine Veränderung der Flugeigenschaften bei Wettkampftemperaturen von +10 bis –15° C auszuschließen bzw. zu verringern.

4 Schießstand und Zielscheiben

Andrea Nahrgang am Schießstand, 2002 in Salt Lake CityDer Schießstand besteht aus 30 etwa 2,75 m breiten Schussbahnen. Geschossen wird auf je fünf Scheiben pro Schussbahn, die in einer Entfernung von 50 m angebracht sind. Der zu treffende Bereich einer Scheibe beträgt im Durchmesser 4,5 cm (liegend) bzw. 11,5 cm (stehend). Treffer werden durch Verdecken der schwarzen Scheibe angezeigt, das Verfehlen einer Scheibe wird entweder mit einer ovalen Strafrunde von 150 Metern (Staffel, Massenstart, Verfolgung und Sprint) oder einer Strafzeit von einer Minute (Einzel) bedacht. Je nach Laufstärke des Athleten kann pro Strafrunde von einer Laufzeit von 20 bis 30 Sekunden ausgegangen werden. Sollte ein Athlet den Schießstand vor Abfeuern der verfügbaren fünf bzw. in der Staffel acht Patronen verlassen, ohne alle Scheiben getroffen zu haben, wird er mit einer zweiminütigen Zeitstrafe belegt. Selbiges gilt für das Unterlassen einer Strafrunde.

In den Anfangsjahren wurde auf Papierscheiben und Luftballons geschossen, danach wurden zerbrechliche Glasscheiben verwendet. Ab den Biathlon-Weltmeisterschaften 1981 setzten sich dann die schwarzen Metallscheiben durch, die bei einem Treffer automatisch abklappten. Diese werden teilweise auch heute noch verwendet. Mitte der 1990er Jahre wurde ein modernes System mit elektromechanischen Scheiben und computerisierter Auswertung der Treffer eingeführt. Dabei wird beim Aufprall des Geschosses auf die schwarze Scheibe mittels eines Sensor ein Impuls ausgelöst, durch den sich eine weiße Scheibe vor die schwarze schiebt und die somit den Treffer anzeigt. Während für offizielle Wettkämpfe nur noch Metallscheiben zugelassen sind, werden beim so genannten Anschießen - als Vorbereitung auf einen Wettkampf - stets Kartonscheiben verwendet.

5 Streckenverlauf

Die Laufstrecke muss abwechslungsreich gestaltet sein, also abwechselnd aus ansteigenden, ebenen und abfallenden Teilen bestehen. Sehr steile und lange Anstiege sind wie gefährliche Abfahrten verboten, Engstellen und schnelle Richtungsänderungen möglichst zu vermeiden. Die Differenz zwischen dem höchsten und niedrigsten Punkt der Strecke darf maximal 80 m betragen, wobei der höchste Punkt nur in Ausnahmefällen 1800 m NN überschreiten darf. Es werden stets mehrere Runden absolviert, an deren Ende jeweils das Stadion liegt.

6 Disziplinen

Der Biathlonsport wird in verschiedenen Disziplinen ausgetragen, die zwar dem gleichen Grundprinzip folgen, sich aber durch unterschiedliche Regeln voneinander unterscheiden. Im Biathlon-Weltcup, bei Weltmeisterschaften und Olympischen Winterspielen werden derzeit mit Einzel, Sprint, Verfolgung, Massenstart, Staffel und Gemischte Staffel sechs Biathlon-Disziplinen ausgetragen.

6.1 Einzeldisziplinen

6.1.1 Übersicht


Einzel
Sprint Verfolgung Massenstart
Distanz Männer 20 km 10 km 12,5 km 15 km
Distanz Frauen 15 km 7,5 km 10 km 12,5 km
Startintervall 30 Sekunden 30 Sekunden entsprechend einem vorausgegangenen Sprint (1:1) oder Einzel (halbiert) alle Teilnehmer gleichzeitig
Schießabfolge liegend, stehend, liegend, stehend liegend, stehend liegend, liegend, stehend, stehend liegend, liegend, stehend, stehend
Strafe je Fehler Strafminute Strafrunde (150 m) Strafrunde (150 m) Strafrunde (150 m)
Weltcup-Premiere 1978 1978 1996 1998
WM-Premiere 1958 1974 1997 1999
Olympische Premiere 1960 1980 2002 2006


6.1.2 Einzelwettkampf

Der Einzellauf ist die älteste Biathlondisziplin. Die Athleten starten einzeln nacheinander. Das Startintervall beträgt dabei 30 Sekunden. Die Männer laufen eine 20 km, die Frauen eine 15 km lange Strecke. Es sind jeweils zwei Liegend- und Stehendschießen zu absolvieren (liegend-stehend-liegend-stehend), wobei jeder Fehler mit einer Strafzeit von einer Minute geahndet wird. Bei Weltcupveranstaltungen wird die längste Strecke im Biathlonzirkus auf Grund ihres für das Fernsehen relativ unspektakulären Spannungsbogens nur noch selten gelaufen. Um die Dauer des Rennens zu reduzieren, wird immer wieder diskutiert, die Zahl der Starter zu begrenzen.

6.1.3 Sprint

Die Biathleten starten in einem 30-Sekunden-Intervall einzeln hintereinander. Die Distanz beträgt bei den Männern 10 km. Bei den Frauen betrug die Streckenlänge ursprünglich nur 5 km, wurde jedoch 1989 auf die heute gelaufenen 7,5 km verlängert. Es wird je einmal liegend und stehend geschossen, wobei jeder Fehler mit einer Strafrunde geahndet wird. Der Sprint ist mittlerweile die am häufigsten ausgetragene Disziplin im Biathlon-Weltcup.

6.1.4 Verfolgung

Startberechtigt sind die besten 60 Athleten des Sprint- bzw. Einzelbewerbes, je nachdem, welche Disziplin dem Jagdrennen vorausgeht. Meist dient der Sprint als Qualifikation für das Verfolgungsrennen. Die Startreihenfolge und Startintervalle richten sich nach den dabei erzielten Zeiten. Der Erstplatzierte des Einzels/Sprints wird auch als Erster des Verfolgungsrennens in den Wettkampf geschickt. Die anderen Athleten folgen entsprechend ihrem Zeitabstand zum Sieger im Einzel-/Sprintrennen. Nach einem Sprint werden die Abstände 1:1 übernommen, nach einem Einzelrennen hingegen halbiert.

Die Distanz des eigentlichen Verfolgungsrennens, das meist ein oder zwei Tage nach dem vorausgehenden Einzel- bzw. Sprintrennen stattfindet, beträgt dabei 12,5 Kilometer bei den Männern und 10 Kilometer bei den Frauen. Es müssen je zwei Schießprüfungen im Liegend- und Stehendschießen (liegend-liegend-stehend-stehend) absolviert werden, wobei für jeden Fehlschuss sofort eine Strafrunde gelaufen werden muss.

Diese Disziplin wird regelmäßig im Weltcup ausgetragen, da sie explizit mit Hinsicht auf die Fernsehtauglichkeit des Biathlons konzipiert wurde. Dies ergibt sich daraus, dass der erste Sportler im Ziel auch der Sieger des Rennens ist. Außerdem ergeben sich zusätzliche Spannungsmomente dadurch, dass sich die Athleten auf der Strecke und am Schießstand direkt miteinander messen. Die Rennen werden insbesondere dann spannend, wenn die Zeitabstände, mit denen die Sportler ins Rennen gehen, relativ gering sind.

6.1.5 Massenstart

Der Massenstart ist die jüngste Biathlon-Disziplin. Startberechtigt für den Massenstart sind nur die 30 bestplatzierten Biathleten im Weltcup. (Ausnahme: bei Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen: hier sind die 15 Bestplatzierten des Gesamtweltcups sowie alle Medaillengewinner des laufenden Wettbewerbs (Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele) startberechtigt. Die zu 30 fehlenden Plätze werden durch die Skijäger ergänzt, die im Verlauf der Meisterschaften die meisten Weltcuppunkte erzielt haben. Dabei ist das Kontingent pro Nation, anders als im Weltcup, auf maximal vier Starter begrenzt. Das Massenstartrennen wird als letztes Einzelrennen der Meisterschaften ausgetragen.)

Die Läufer starten gleichzeitig über die 15 Kilometer (Herren) bzw. 12,5 Kilometer (Damen) lange Strecke. Nach jedem Fehlschuss bei je zwei Liegend- und Stehendschießen (liegend-liegend-stehend-stehend) muss der Athlet eine Strafrunde absolvieren.

Wegen der benötigten breiten Starttrasse kann dieser Wettbewerb nur an wenigen Weltcuporten ausgetragen werden. Er gehört aber aufgrund des Gedränges auf Startbahn und Strecke und der Tatsache, dass hier derjenige Sieger ist, der zuerst das Ziel erreicht, zu den spannendsten und beliebtesten Disziplinen des Biathlon.

6.2 Mannschaftsdisziplinen

6.2.1 Staffel

Die olympische Premiere der Staffel erfolgte bei den Olympischen Winterspielen 1968 in Grenoble. Eine Staffel besteht aus vier Athleten einer Nation und eines Geschlechts. Gestartet wird mittels Massenstart, wobei jeder Athlet eine Distanz von 7,5 km (Männer) bzw. 6 km (Frauen) zu laufen hat, bevor er in einer 30 m langen Wechselzone an den nächsten Läufer seines Teams übergeben darf. Der Staffelwettbewerb besteht pro Athlet aus je einem Liegend- und einem Stehendschießen, insgesamt also aus vier Liegend- und vier Stehendschießen. Im Gegensatz zu den anderen Wettbewerben stehen den Athleten hier maximal drei Nachlader zur Verfügung, um beim ersten Mal nicht getroffene Scheiben doch noch treffen zu können. Pro Nachlader werden etwa zehn zusätzliche Sekunden benötigt. Maximal hat jeder Athlet also acht Patronen, um die fünf Scheiben zu treffen. Für jede dann nicht getroffene Scheibe muss eine Strafrunde gelaufen werden.

Bei den Frauen wurden die Distanzen, über die das Staffelrennen ausgetragen wird, mehrfach geändert. Bis 1991 hatten drei Biathletinnen je 5 km zu absolvieren, später liefen vier Athletinnen jeweils 7,5 km. 2003 wurde die Distanz erneut geändert, momentan werden 4 x 6 km gelaufen.


6.2.2 Gemischte Staffel

Seit den frühen 1990er Jahren werden immer wieder verschiede Mannschaftsbewerbe erprobt, die den Biathlonsport attraktiver machen sollen. Ein Beispiel dafür ist die seit 2002 in der Veltins Arena (Gelsenkirchen-Schalke) ausgetragene World Team Challenge. Dabei laufen gemischte Staffeln, bestehend aus je einem Mann und einer Frau in mehrfachem Wechsel über eine Distanz von 15 km.

Die neueste Form ist die gemischte Staffel über zweimal 6 Kilometer und zweimal 7,5 Kilometer, wobei je zwei Positionen von Frauen und Männern besetzt werden. Für diesen Wettbewerb wurde im Rahmen des Weltcupfinales 2005 in Chanty-Mansijsk erstmals eine eigene als Mixed Relay World Championship bezeichnete Weltmeisterschaft ausgetragen. 2007 gehört die Disziplin in Antholz zum Wettkampfprogramm der Biathlon-Weltmeisterschaft.

Im Rahmen der Deutschen Biathlon-Meisterschaften, die aufgrund der vorsaisonalen Lage im September/Oktober immer auf Rollskiern stattfinden, werden auch Mixed-Staffeln durchgeführt, welche aus zwei männlichen Akteuren und einem weiblichen Teilnehmer bestehen. Diese haben dann jeweils den Umfang eines Sprintrennens durchzuführen.

6.2.3 Mannschaftswettkampf

Diese Disziplin wurde von 1989 bis 1998 im Biathlon-Weltcup und bei Weltmeisterschaften, jedoch nie bei Olympischen Winterspielen ausgetragen.

Eine Mannschaft wurde von vier Athleten einer Nation gebildet, die geschlossen eine Distanz von 20 Kilometer (Männer) beziehungsweise 15 Kilometer (Frauen) laufen musste. Es waren vier Schießprüfungen zu absolvieren (liegend-stehend-liegend-stehend), wobei bei jeder Schießeinlage nur ein Athlet auf die fünf Scheiben schießen durfte. Die restliche Mannschaft wartete auf das Schussende, für jeden Fehlschuss wurde gemeinsam eine Strafrunde von hier 300 Metern gelaufen. Die Zeitnahme im Ziel wurde jeweils vom letzten Mannschaftsmitglied ausgelöst, der Abstand zwischen dem ersten und dem letzten Läufer durfte nicht mehr als 50 Meter oder 15 Sekunden betragen. Die Regeln dieses Wettbewerbs wurden mehrfach geändert, trotzdem konnte sich der Mannschaftswettkampf nicht durchsetzen und wurde durch das Massenstartrennen ersetzt.

6.3 Ausblick

Vor einigen Jahren wurde der Super Sprint als neue Einzeldisziplin in die Wettkampfspezifikationen der IBU aufgenommen und bereits einige Male auf nationaler Ebene getestet. Der Super Sprint besteht aus einem Qualifikationsdurchgang mit 15 sek Zeitintervall sowie einem als Massenstart durchgeführten Finaldurchgang. Wie in der Staffel stehen pro Schießeinlage acht Patronen zur Verfügung. Werden nicht alle fünf Scheiben getroffen, so scheidet der Athlet aus. Es bleibt abzuwarten, ob und wann diese Disziplin in das Programm des Weltcups oder bei Weltmeisterschaften aufgenommen wird.

7 Wettkämpfe

7.1 Olympische Winterspiele

Lawton Redman bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City Bei den ersten Olympische Winterspielen 1924 in Chamonix wurde der Militärpatrouillenlauf als Vorgänger des heutigen Biathlon am 29. Januar 1924 erstmals vor einer größeren nichtmilitärisch organisierten Öffentlichkeit ausgetragen. Die Zuschauerzahl betrug nach offiziellen Angaben des Französischen Olympischen Komitees 1307 Personen und übertraf damit die Zuschauerzahl aller anderen nordischen Bewerbe. Während der Militärpatrouillenlauf heute als Demonstrationsbewerb angesehen wird, gab es zum Zeitpunkt der Austragung der Spiele keine Unterscheidung in originäre und Vorführungsbewerbe. Auch heute noch wird der Bewerb vom IOC in der offiziellen Medaillenstatistik von 1924 geführt. Bei den Olympischen Winterspielen von 1928, 1936 und 1948 wurde der Bewerb als reiner Demonstrationsbewerb in das olympische Programm aufgenommen.

Erst nach der Entwicklung hin zum rein sportlichen Biathlon wurde der Sport auch vom IOC anerkannt. 1960 wurde der Biathlonsport mit dem 20-Kilometer-Lauf der Männer erstmals ins offizielle Programm der Winterspiele aufgenommen. 1968 mit der Viermal- 7,5-Kilometer-Staffel und 1980 mit dem Sprintbewerb wurden die nächsten Biathlonbewerbe olympisch. Bei den Olympischen Winterspielen 1992 in Albertville feierten dann auch die Biathlon-Frauen ihre olympische Premiere. Die Frauenbewerbe werden wie die Männerbewerbe gegliedert, jedoch über kürzere Distanzen ausgetragen. Mit der Aufnahme des Verfolgungslaufes (2002 in Salt Lake City) und des Massenstarts (2006 in Turin) wurden erstmals bei Olympischen Spielen je fünf Wettbewerbe für Männer und Frauen ausgetragen.

7.2 Biathlon-Weltmeisterschaften

Die erste Biathlon-Weltmeisterschaft der Männer fand 1958 im österreichischen Saalfelden statt, die Zahl der Aktiven war mit nur 25 Athleten aus sieben Ländern noch sehr gering. Im Weltmeisterschaftsprogramm war nur der Einzelwettkampf, Staffel und Sprint wurden erst später ins Programm genommen.

Seit 1984 werden auch Weltmeisterschaften für Frauen veranstaltet, die bis 1988 getrennt von den Weltmeisterschaften der Männer stattfanden. Seit 1989 werden gemeinsame Weltmeisterschaften für Männer und Frauen veranstaltet, das Weltmeisterschaftsprogramm wurde nach und nach um neue Disziplinen (Verfolgung, Massenstart, Mixed-Staffel) erweitert.

Neben den Biathlon-Weltmeisterschaften organisiert die IBU noch Biathlon-Sommerweltmeisterschaften sowie Weltmeisterschaften für Junioren und Jugend. Athleten, die bis zum 31. Dezember der Saison das 19. Lebensjahr vollendet haben, gelten als Junioren, davor als Jugend.

7.3 Biathlon-Weltcup

Der Biathlon-Weltcup ist eine für Männer und Frauen jährlich in der Zeit von Dezember bis März vom Biathlon-Weltverband IBU ausgerichtete Wettkampfserie, die heute in der Regel neun Stationen mit zwei oder drei Wettbewerben pro Ort umfasst. Der Weltcup wird bei den Männern seit 1978 und bei den Frauen seit 1983 veranstaltet.

7.4 Kontinentale Wettbewerbe

Jährlich werden weiterhin kontinentale Wettkampfserien und Meisterschaften in Europa, Nordamerika, Südamerika und Asien veranstaltet.

7.5 Veranstaltungsorte

Die Weltcuprennen bzw. Weltmeisterschaften im Biathlon werden hauptsächlich an diesen Orten veranstaltet:
  • Antholz (Italien, Südtirol)
  • Chanty-Mansijsk (Russland)
  • Hochfilzen (Österreich)
  • Kontiolahti (Finnland)
  • Oberhof, Rennsteig-Arena Oberhof (Deutschland)
  • Oslo, Holmenkollen (Norwegen)
  • Osrblie (Slowakei)
  • Östersund (Schweden)
  • Pokljuka (Slowenien)
  • Ruhpolding, Chiemgau-Arena (Deutschland)

8 Die erfolgreichsten Biathleten

Die erfolgreichsten Biathleten bei Olympischen Winterspielen sind Ole Einar Bjørndalen mit 5 Goldmedaillen, 3 Silbermedaillen und 1 Bronzemedaille, gefolgt von Ricco Groß (4-3-1), Sven Fischer (4-2-2), Mark Kirchner (3-2-0), Michael Greis (3-0-0), Frank Luck (2-3-0), Frank-Peter Roetsch (2-1-0) sowie bei den Frauen Kati Wilhelm (3-3-0) und Uschi Disl (2-4-2).

Den Rekord bei den Einzelmedaillen wird aktuell ebenfalls von Ole Einar Bjørndalen gehalten. Mit vier Goldenen, zwei Silbernen und einer Bronzenen Olympia-Medaille ist er der erfolgreichste Olympiateilnehmer aller Zeiten auch in den Einzelwettbewerben.

Der erfolgreichste Teilnehmer an Weltmeisterschaften ist Frank Luck mit 11 Goldmedaillen, 5 Silbermedaillen und 4 Bronzemedaillen. Ihm folgen Alexander Tichonow (11-4-1), Jelena Golowina (10-1-1), Ole Einar Bjørndalen (9-7-8) und Ricco Groß (9-5-6). Siehe auch: Liste der Weltmeister im Biathlon.

Jedoch ist Ole Einar Bjørndalen der erfolgreichste Weltmeisterschaftsteilnehmer aller Zeiten, gerechnet auf die Einzelmedaillen, also ohne die Staffelmedaillen. Er gewann 7 Gold-, 2 Silber- und 6 Bronzemedaillen in den Einzelbewerben, Sprint, Massenstart, Verfolgung und Einzel.

Den Gesamtweltcup konnten bei den Männern bisher drei Biathleten insgesamt je viermal gewinnen: Ole Einar Bjørndalen (viermal Erster, viermal Zweiter, zweimal Dritter), Raphaël Poirée (viermal Erster, einmal Zweiter, zweimal Dritter) und Frank Ullrich (viermal Erster, einmal Zweiter, einmal Dritter).

Bei den Frauen führt überlegen Magdalena Forsberg mit sechs Gesamtweltcupsiegen, die sie von 1997 bis 2002 in Folge gewann. Außerdem ist sie, gerechnet auf Einzelmedaillen, die erfolgreichste WM-Teilnehmerin aller Zeiten. Ihr folgen Eva Korpela mit zwei Siegen und einem zweiten Platz und Anfissa Reszowa mit zwei Siegen. Mit Martina Glagow (Saison 2002/03), Kati Wilhelm (Saison 2005/06) und Andrea Henkel (Saison 2006/07) gab es bisher drei deutsche Gesamtweltcup-Siegerinnen.

9 Verwandte Sportarten

  • Sommerbiathlon
    Der Sommerbiathlon, eine Kombination aus Laufen und Schießen, hat meist nur regionale Bedeutung und wird in Deutschland vom Deutschen Schützenbund organisiert. Im Sommerbiathlon liegt die Priorität meist beim Laufen und weniger beim Schießen. Es werden im Sommerbiathlon auch Weltcups und Europacups durchgeführt, die in der Öffentlichkeit kaum Beachtung finden.
  • Rollskibiathlon
    Diese Variante des Sommerbiathlons wird vor allem von Winterbiathleten im Sommertraining betrieben. Hierbei läuft der Athlet auf kurzen Skiern, unter die Rollen montiert sind. Regional finden auch hier Wettbewerbe bis hin zu Weltcups statt.
  • Bogenbiathlon
    Die Regeln beim Bogenbiathlon sind ähnlich jenen des eigentlichen Winterbiathlons. Geschossen wird jedoch mit Pfeil und Bogen. Die Wettkämpfe wurden ursprünglich ebenfalls von der IBU organisiert. Seit dem 1. April 2005 ist der Internationale Bogensportverband (FITA) für diese Sportart verantwortlich.
  • Motorradbiathlon
    Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Motocross und Schießen. Dieser Sport erfreut sich vor allem im Osten Deutschlands großer Beliebtheit.
  • Bikebiathlon
    Dies ist die Kombination aus Mountainbiken und dem für Biathlon typischen Schießen. Bekannt ist vor allem der Altenberger Bikebiathlon, bei dem Weltstars wie Ole Einar Bjørndalen am Start stehen. Hierbei werden auf Geländestrecken die Wettkampfdisziplinen des Biathlon, also Sprint, Verfolgung und Mixed-Staffel, nachempfunden.


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