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Mit gutem Bauchgefühl ins Abenteuer Stille

Mittwoch, den 11. März 2009 um 14:08 Uhr
Schneeschuhwandern auf dem Gottesacker / Inspirierende Touren in ganz Vorarlberg. Einfach sagenhaft, hier oben: Klare Bergluft, wolkenloser Himmel, zwei Grad Celsius über Null, schneebedeckte Gipfel zu allen Seiten, in der Ferne funkelt der Bodensee. Schwer zu glauben, dass diese Idylle durch einen Gottesfluch entstanden sein soll.

www.vorarlberg.travelEiner Walser Sage zufolge hat Gott das ursprünglich fruchtbare Alpgebiet östlich des Hohen Ifen als Bettler verkleidet besucht. Als er bei einem geizigen Bauer um eine Mahlzeit bat und höhnisch abgewiesen wurde, verfluchte er die Alpe. „Die Erde hat sich umgedreht“, erzählt Bergführer Helmut Eberle, „das Grüne sank nach unten, die Steine stiegen nach oben.“ So soll es zu der zerklüfteten Karstlandschaft gekommen sein, die heute unter einer bis zu 15 Meter dicken Schneedecke verborgen ist.

Jeder zieht seine eigene Spur
Es ist also ein verdammtes Gebiet hier oben am Gottesacker – und verdammt gut geeignet für ein intensives Wintererlebnis. Samstag, elf Uhr morgens, zwölf Teilnehmer sind startklar für eine Tagestour mit Schneeschuhen auf dem Plateau in rund 2.000 Metern Seehöhe. Gerade im März und April, wenn bei steigenden Temperaturen noch reichlich Schnee liegt, schlagen die Herzen von Naturgenießern höher. Material und Technik sind schnell erklärt, z.B. bergab mit der Ferse zuerst aufsetzen, jeder zieht dabei seine eigene Spur. Lawinen sind in Helmuts Gefolge nicht zu befürchten. Wir bewegen uns auf knirschendem Schnee laufend an der Grenze zwischen Vorarlberg und Bayern, zwischen Österreich und Deutschland. Den ersten, steilsten Teil der Strecke haben wir bequem mit der Sesselbahn zurückgelegt, nun führt der Weg in die ebene Winterlandschaft hinein. Besonders sportlich müssen die Teilnehmer nicht sein. Von Vorteil hingegen ist eine Sehnsucht nach Beschaulichkeit, nach Ruhe. „Das Interesse an diesen Angeboten wird immer größer“, hat Helmut, unser Walser Experte mit wettergegerbtem Gesicht, festgestellt. „Die Leute haben immer mehr Stress und suchen das Abenteuer Stille. Wer keine Skitour machen möchte oder kann, landet beim Schneeschuhwandern.“

Tiefschnee an einstigem Meeresboden

So wie Kathrin, Volker und Andreas. Die drei Mittdreißiger sind aus Franken angereist. „Wir waren im Internet auf der Suche nach einem solchen Wochenende. Für das Kleinwalsertal hat letztlich das gute Bauchgefühl den Ausschlag gegeben, außerdem hat uns im Sommer der Mindelheimer Klettersteig gefallen“, erinnert sich Betriebswirt Andreas. Gespannt beobachten sie die Kurz-Lektion in Geologie, die Helmut mit gekonntem Stock-Einsatz in den glitzernden Tiefschnee zeichnet: „Wo wir jetzt stehen, war vor 120 Millionen Jahren noch ein Meer zwischen Europa und Afrika. Beim Aufeinandertreffen der beiden Kontinentalplatten falteten sich nach und nach die heutigen Alpen auf.“

Weniger ist mehr
Ein kurzer Anstieg, bald ist es schon Zeit für eine Pause: Wir stärken uns mit Brot, Käse und dampfendem Tee an einer windgeschützten Stelle. Die Schneeschuhe sind schnell abgeschnallt, der Blick schweift über die nahen Berge des Bregenzerwaldes und der Arlbergregion. Der größte Teil der Tour liegt hinter uns, ins Schwitzen hat uns mehr die Sonne als die Bewegung selbst gebracht. „Weniger ist mehr“, findet Helmut, „weniger Höhenmeter, weniger Anstrengung – und dennoch ein größerer Erfolg.“ Ein großer persönlicher Zugewinn für jeden Einzelnen, da kann Kathrin nur zustimmen: Ihr haben es die unberührte Landschaft, die unverspurten Wege angetan. Für den elfjährigen Julian war hingegen das rasante Hinunterrutschen des kurzen Steilhanges auf dem Hosenboden der Höhepunkt des Tages. „Als ich vor 14 Jahren die ersten Schneeschuhwanderungen angeboten habe“, sagt Helmut, „da haben mich meine Kollegen noch ausgelacht. Heute lachen sie nicht mehr.“

INFO-BOX 1
Schneeschuhwochenende im Kleinwalsertal
Ein Wochenend-Trip auf Schneeschuhen wird in dieser Saison noch zu zwei weiteren fixen Terminen angeboten. Am 14./15. sowie 28./29. März kommen Freunde des sanften Wintersports auf ihre Kosten. Im Preis von 175,- Euro pro Person sind eine Übernachtung mit Halbpension, Ausrüstung und Gebühr für den Bergführer inkludiert. Außerhalb dieser Pauschale ist die Tour am Gottesackerplateau noch bis Ende April möglich, Begleitung durch einen Bergführer wird in jedem Fall empfohlen. Die Tagestour kostet 56,50 Euro inklusive Berg- und Talfahrt mit der Ifenbahn. Infos: Bergschule Kleinwalsertal (www.bergschule.at).

INFO-BOX 2
Einfallsreiche Schneeschuh-Angebote in ganz Vorarlberg
Auch in anderen Landesteilen bieten Bergführer besondere Momente auf Schneeschuhen an. Im Bregenzerwald kombiniert Alfons Silgener Fackelwanderung und Rodelpartie: Im Licht der Fackeln wandert man auf den Berg, mit Stirnlampen gelangt man anschließend auf zwei Kufen wieder ins Tal (www.bregenzerwaldtouren.com).
Fackeln benutzt auch Toni Grissemann in Lech. Gruppen von zwei bis zehn Personen führt er durch die imposante Landschaft des Arlbergs. Zum Wärmen gibt es Punsch und dazu interessante Geschichten über Land und Leute. Pro Person 43,- Euro inklusive Schneeschuhen (www.fsg-lech.at).
Aufstieg mit Schneeschuhen, Abfahrt mit dem Airboard; einem High-Tech Luftkissen, das auf dem Gipfel im Handumdrehen aufgeblasen wird: Dieses besondere Vergnügen gibt es bei den Profis von BergAKTIV im Brandnertal. Kosten: 48,- Euro pro Person (www.bergaktiv.info).


Bildnachweise: Yvonne von Hunnius / Archiv Vorarlberg Tourismus

 

 

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